Rathaus Hamburg

Zu einem Lehrstück über das Hamburger Rathaus
Vllt als Probierstück für die Baukunst der Demokratie?

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Inhaltsverzeichnis

  • 0.1. Vorbemerkung

1. Das Rathaus-Gebäude

  • 1.1. Das Rathaus von vorne
    • 1.1.1. Der Balkon
    • 1.1.2. Die Kaiser
    • 1.1.3. Die „großen“ Familien
    • 1.1.4. Die Berufe
  • 1.2. Bürgerschaft und Senat im Gebäude
    • 1.2.1. Saal der Bürgerschaft
    • 1.2.2. Räume der Fraktionen und der Ausschüsse
    • 1.2.3. Senatsraum?
    • 1.2.4. Bürgermeisterzimmer

2. Verfassungen der Freien und Hansestadt Hamburg

  • 2.1. Verfassung Hamburg 1879
  • 2.2. Aktuelle Verfassung Hamburg

3. Rathaus-Gebäude und Verfassung

  • 3.1. Von 1879
  • 3.2. Aktuell?

4. Aktfolge5. ToDo-List
0.1 Vorbemerkung
Lehrkunstdidaktische Beschäftigung mit dem Rathaus von Hamburg kann unter mehreren Aspekten erfolgen:

  • Demokratie und Architektur
    • Parlamentarische Demokratie, Parlament + Regierung in Gebäuden: Wie dienen / nützen diese Gebäude der parlamentarischen Demokratie? – Wie verdeutlichen sie deren Funktionsweise / Arbeitsweise, diese Variante von Demokratie selbst?
  • Geschichte und Architektur
    • Die jeweiligen Geschichtsbildbezüge
    • Wandel von architektonischem Ausdruck und Architektur?

Wie auch immer: Zwei thematische Bereiche werden berührt, die zur Bildung der Schüler*innen beitragen können:

  • Die Funktionsweise des gegenwärtigen politischen Systems in Deutschland, die „parlamentarische Demokratie“, noch weitgehend unverstandenes.
  • Die Architektur und ihre jeweilige Zeit.

Die noch zu bedenkende Pointe in Hamburg: Das Rathaus ist nicht nur für ein anderes als das gegenwärtige politische System gebaut, es auch nicht der Gegenwart angepasst. Es ist steingewordenes Ausdruck des Verhältnisses der Hanse- und Hafenstadt zum neuen Kaiser-Reich. Es wird sich zeigen, dass das Haus das alte deutsche Reich beruft, um die Stellung Hamburgs im neuen Reich zu sichern / zu schützen / zu bestimmen: Kaiser gegen Kaiser. Seine Fassade ist politische Ortsbestimmung. Der politische Inhalt des Geschehens im Haus und die politische Bedeutung seiner Architektur (bis hin zu kleinsten Details der Innenarchitektur) passen nicht zueinander. Das ist in Deutschland einzig, entweder sind wichtige Gebäude neu gebaut oder umgebaut. Oft ist die Fassade alt und die Innenarchitektur neu (oder es wurde umgebaut / angebaut …)

Im Lehrstückunterricht soll mit möglichst realer Begegnung ein Gegenstand so erfasst werden, dass ein tiefer greifender Bildungsprozess das Weltverhältnis der Schüler*innen umformt. Realbegegnung bei einem Gebäude heißt: Herum laufen, ansehen, hinein gehen, anfassen, das Geschehen dieses Gebäudes erfassen wollen.
Das HH-Rathaus ist ein Gesamtkunstwerk. Wer es von draußen gesehen hat, kann sich schwer vorstellen, dass man irgendwie an ihm herum schnippelt. Aber ist es unmöglich, es vollständig zu erfassen: Zu viel, aber auch vieles, dessen Sinn in späterer Zeit sich nicht mehr von allein erschließt. Es muss ein Weg vor dem Gebäude, ins Gebäude und in dem Gebäude gefunden werden, den die Schüler*innen gehen, um das Gebäude erfassen. Von draußen nach drinnen, innen nach links und nach rechts. Die Politikmacher gehen in das Haus und teilen sich dann nach ihren Ämtern und Tätigkeiten auf, die einen machen Gesetze und die anderen regieren.

Gegenwärtiger Stand dieser Begrübelung allerdings von wenig Kenntnis bestimmt. Eher suchend als findend. Ein Text mit erkennbaren Lücken.
Die Kirchenlehrstücke „Der heimatliche Dom“ enthalten sicher Anregungen, wie man sich lehrkunstdidaktisch einem Gebäude nähert.
1 Das Rathaus-Gebäude
Gespräch mit einem der Polizisten, die vor dem Eingang zum Rathaus stehen: „Können Sie sagen, was die Besucher / Leute Sie oft fragen, wenn sie das Rathaus besuchen wollen?“ – „Sie fragen mich, wo das Rathaus ist. Und wenn ich sage, das hier ist das Rathaus, höre ich oft, ‚Ach, ich dachte, das ist ein Schloss.‘“
Ein paar Minuten später: Eine Gruppe von Schülerinnen (so etwa 5. oder 6. Klasse) kommt auf den Polizisten zu und fragt … tatsächlich nach dem Rathaus. Der Polizist zeigt auf das Gebäude, die Schülerinnen sagen, sie hätten das für eine Kirche gehalten.

l
Das Bundesland Hamburg wird aus einem „Rathaus“ regiert. Eine Stadt hat ein Rathaus. Ein Bundesland dagegen ein Landtagsgebäude und einen Sitz des Ministerpräsidenten. – Aber auch das Bundesland Bremen wird aus einem „Rathaus“ regiert1. Wenn also eine Stadt schon vor der Bundesrepublik gleichzeitig so etwas wie ein Bundesland ist, wird es aus einem Rathaus regiert, denn der Chef der Regierung, der dort Bürgermeister heißt, ist zugleich „Ministerpräsident“ eines Bundeslandes, was man daran sehen kann, dass er als Bundesratspräsident protokollarisch den Bundespräsidenten vertreten kann.
Das Rathaus ist in Hamburg also in einem der Ort des Landes- und Kommunalparlamentes und der Landes- und Stadtregierung.
Wenn ein Bürger eines Bundeslandes heiraten will, geht er zum Standesamt, das seinen Sitz im Rathaus hat. Will ein Bürger eines Bundeslandes ein Haus bauen, wendet er sich an das örtliche Bauamt, das seinen Sitz im Rathaus hat.
Ein Hamburger dagegen ging bis 2007 mit solchen Anliegen zum Bezirksamt oder einem Ortsamt, heute zu irgendwelchen ausgelagerten Dienststellen der Bezirke.
Dass Kommunalpolitik in dem einen und einzigen Rathaus Millionenstadt konzentriert ist und die Bezirke im Zweifel nichts zu sagen haben, gehört nicht zu den Haben-Seiten der Demokratie in Hamburg2.
Artikel 4 (der gegenwärtigen Verfassung; HL)
(1) In der Freien und Hansestadt Hamburg werden staatliche und gemeindliche Tätigkeit nicht getrennt.
Hamburg ist Bundesland und Kommune.
Es muss das Exempel im Exempel gesucht werden. Ist ja alles viel zu viel. Also geht es nur um die Vorderfront. Die anderen Seiten des Gebäudes bleiben unberücksichtigt.

1.1 Das Rathaus von vorne

1.1.1 Der Balkon
Gehen wir also mit den Schüler*innen auf das Rathaus zu. In der Mitte ein Turm, links und rechts große Gebäudeteile, die symmetrisch gebaut zu sein scheinen, von außen gibt es zunächst keinen Unterschied.
Im Turm, unten, ist der einzige Eingang auf der Vorderseite. Alle müssen da durch. Über dem Tor ein Balkon, darüber zwei schwer zu erkennenden Figuren und noch ein lateinischer Spruch.
Die Figuren sind zu weit weg, nicht gut zu erkennen. Das muss aber schon beim Bau des Hauses ein Problem gewesen sein, sonst hätte man sie nicht mit großen Namensschildern versehen.
Aber sie bewachen irgendwie den Eingang. Laden wir sie doch ein, zu uns herunter zu kommen: Sie stehen nun neben der Tür, obendrüber die Hammonia und die Tugenden. Fragen wir sie doch mal, was sie da machen: „Wir bewachen dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus. Wir sind nett zu ihnen, das Haus hier und alles was darin passiert, steht unter unserem Schutz.“
Dieser Gedankentrick muss irgendwie realisiert werden. Vom Platz nach oben schauend: Das funktioniert nicht. Der nach unten versetzte Eingang muss ins Klassenzimmer: Über ein Smartboard? Oder über ein großes gedrucktes Photo?

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Abbildung 1: Der kaiserliche Eingang

Ändert aber nichts daran: Der Kaiserbalkon ist über dem Eingang. Wozu wurde der Balkon überhaupt gebraucht? Wer hatte Zutritt zu dem Balkon? Wir können auch einen Bürgermeister auf den Balkon stellen. (Übrigens auch den HSV, als er, lang ist her, mal Deutscher Meister war.) Tschentscher oder Scholz würden sich etwas seltsam zwischen den Kaisern ausmachen. – Gibt es ein Bild, das einen der Bürgermeister unter Wilhelm II. dort zeigt? https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Hamburger_B%C3%BCrgermeister#1860%E2%80%931920 Oder gar ein Bild mit dem Hohenzollernkaiser auf dem Balkon?

Sieht so aus, dass der Kaiserbalkon die Versöhnung von Hansestadt und (neuem) deutschen Kaiserreich zeigt. Aber warum dann diese beiden Kaiser? Es gab Überlieferungen, nach denen diese beiden Kaiser besondere Schutzherren der Stadt waren3, Die Stadt Hamburg berief also auf zwei Kaiser, um gerade die Macht der neuen Kaiser einzudämmen, die Kaiser leicht subversiv gegen den Kaiser gestellt4? Die anderen Kaiser unterstreichen diese Selbständigkeit Hamburgs gegenüber den Hohenzollern. Man könnte diese riesiger Kaiserreihe https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Rathaus#Die_Kaiser gerade zu antipreußisch lesen: Kein Hohenzoller dabei. Stattdessen sogar Habsburger.
Der Spruch „Freiheit, die die Väter erwarben, möge die Nachwelt würdig zu erhalten trachten.“ passt zu dieser Interpretation: Denn diese Freiheit ist jederzeit, also auch im Jetzt des Neubaus gefährdet.
Die Bürger sollen dazu an den alten Hamburger Tugenden festhalten5:
Über den Monarchen thronen am Mittelturm die Darstellungen der bürgerlichen Tugenden: Tapferkeit, Frömmigkeit, Eintracht und Klugheit (v.l.n.r.). Dass die bürgerlichen Tugenden oberhalb der Kaiser angeordnet sind, versinnbildlicht die Freiheit der Stadt Hamburg gegenüber der Krone, da Hamburg keine Kaiserstadt, sondern eine Hansestadt war. Über dem Haupteingang befindet sich zudem ein Mosaik, das die hamburgische Landesallegorie Hammonia darstellt.

Der Balkon enthält also in sich Spannungen, die sich erst zeigen, wenn man den Balkon in den zeitgenössischen politischen Kontext stellt. Das neue deutsche Kaiserreich und die Stellung der Hansestadt Hamburg (der / aller Hansestädte (?)) gegenüber der zentralen politischen Gewalt. Ein historisches Material ist notwendig.

1.1.2 Die Kaiser

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Abbildung 2: Lothar v Sachsen + Heinrich III.

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Abbildung 3: Lothar von Sachsen

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Abbildung 4: Heinrich III.

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Abbildung 5: Konrad II. + Otto II..

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Abbildung 6: Konrad II.

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Abbildung 7: Otto II.

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Abbildung 8: Heinrich I.

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Abbildung 9: Konrad I.

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Abbildung 10: Ludwig der Deutsche.

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Abbildung 11: Ludwig der Fromme

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Abbildung 12: Heinrich VI.

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Abbildung 13: Friedrich II.

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Abbildung 14: Rudolf I..

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Abbildung 15: Karl IV.

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Abbildung 16: Max I.

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Abbildung 17: Karl V.

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Abbildung 18: Max II.

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Abbildung 19: Joseph II.

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Abbildung 20: Franz II.

Die Kaiser stammen meist aus uralten Zeiten. Sie sollen wohl sowas wie eine Kontinuität dieser nur dem Kaiser untertanen Stadt zeigen. Auffällig: Viele Habsburger, sogar noch der letzte deutsche Kaiser (bis 1804) aus diesem Haus, der dann der erste Kaiser des österreichischen Kaisertums war. Genau gegen dieses kaiserliche Österreich wurde 1871 das neue deutsche Kaiserreich gegründet.
Aber die neuen deutschen Kaiser aus dem Haus Hohenzollern finden sich nicht in der Fassade, weder Wilhelm I. noch Friedrich III. Es wäre bei der Einweihung 1897 sicher möglich gewesen, ihnen einen besonderen Platz einzuräumen.
Kann man hier eine antipreußische Aussage herauslesen? Hamburg war 1897 von Preußen im Süden und im Norden geradezu eingekesselt; Preußen hatte Hannover und Holstein übernommen. Die Altonaer Konkurrenz war gleich nebenan.
1.1.3 Die „großen“ Familien
Oder wie immer man diese Familien in Hamburg nannte / nennt. Es sind Familien dabei, die Bürgermeister gestellt hatten. Aber auch andere Senatorenfamilien werden dargestellt, bestimmt jedoch nicht alle, die man auch hätte erwähnen können.
Warum gerade diese Familien? In Kirchen gab es manchmal die Sitte, dass Familien, die gut gespendet hatten, einen festen Sitz mit Namensschild hatten. Haben diese Familien sich auch in besonderer Weise am Bau beteiligt?

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Abbildung 21: Versmann

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Abbildung 22: De Chapeaurouge

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Abbildung 23: Hertz (1)

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Abbildung 24: Mönckeberg

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Abbildung 25: Hachmann

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Abbildung 26: Schemmann

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Abbildung 27: Hertz (2)

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Abbildung 28: Roscher

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Abbildung 29: Roosen

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Abbildung 30: Kähler

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Abbildung 31: Lappenberg (?)

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Abbildung 32: Stammann

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Abbildung 33: Burchard

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Abbildung 34: Lehmann

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Abbildung 35: Stahmer

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Abbildung 36: Oswald

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Abbildung 37: Möhring

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Abbildung 38: Petersen

1.1.4 Die Berufe
Sollen diese Berufe Volkstümlichkeit zeigen6? An der Frontseite sieht es so aus, gehobenes Bürgertum findet sich an den schmalen Seiten.
Über 28 Fenster der Repräsentationsetage wurden auf die Fensterverdachung 28 Charakterbüsten für Vertreter der bürgerlichen Berufe gesetzt.
In diesen Figuren hat der Bildhauer Aloys Denoth bekannte Persönlichkeiten jener Zeit porträtiert. Heinz-Jürgen Brandt stellt in seinem Buch dar, dass diese Figurenreihe von den Zeitgenossen als willkommene Belebung der Fassade und als Darstellung des bürgerlichen Fleißes lebhaft begrüßt wurde.
Es sind zu viele damals bekannte, vielleicht sogar populäre Personen, als dass ein Querschnitt der Bevölkerung gemeint sein könnte. Aber vielleicht ist beides gleichzeitig gemeint?

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Abbildung 39: Fischer

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Abbildung 40: Schneider

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Abbildung 41: Schornsteinfeger

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Abbildung 42: Schuhmacher (Vorbild: Meister W. Knieriem aus St. Pauli, Lange Straße 18/19)

pks23240-2022-11-15-21-01-scaled.jpg Mit Zigarre

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Abbildung 43: Bäcker (bzw. Konditor)

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Abbildung 44: Bildhauer (Vorbild: Bildnis von Engelbert Peiffer (1830–1896) (Bildhaueratelier Hamm, Louisenweg 117))

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Abbildung 45: Schiffbauer

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Abbildung 46: Schlosser

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Abbildung 47: ??

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Abbildung 48: Tischler (Vorbild: Bildnis von Julius Rud. Loose (kunstgewerbliche Werkstatt, Pulverteich 11))

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Abbildung 49: Töpfer (Vorbild: Bildnis von A. D. C. Warnstedt, Töpfermeister (Harvestehude, Mittelweg 142))

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Abbildung 50: Maler (Vorbild: Bildnis von J. G. Valentin Ruths (1825–1905), Landschaftsmaler (Uhlenhorst, Fährstraße 23))

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Abbildung 51: Bürgermeister (Vorbild: Bildnis von Carl Friedrich Petersen (1809–1892), Vorsitzender der Rathauskommission, mit einem Rathaus-Modell im Arm)

Berufe dargestellte Person
Fischer
Schiffer
Kaufmann
Bürgerschaftspräsident Bildnis von Johann Georg Mönckeberg (1839–1908)
(mit Glocke und Gesetzesvorlage in der Hand)
Schneider
Schornsteinfeger
Schuhmacher Meister W. Knieriem aus St. Pauli (Lange Straße 18/19)
Bierbrauer oder Wirt (mit Zigarre)
Bäcker (bzw. Konditor)
Schlachter
Bauer
Gärtner
Bildhauer Bildnis von Engelbert Peiffer (1830–1896)
(Bildhaueratelier Hamm, Louisenweg 117)
Schiffbauer
Schlosser Bildnis von Schlossermeister Hermann Eggers
Zimmermann
Maurer
Tischler Bildnis von Julius Rud. Loose
(kunstgewerbliche Werkstatt, Pulverteich 11)
Töpfer Bildnis von A. D. C. Warnstedt, Töpfermeister
(Harvestehude, Mittelweg 142)
Maler Bildnis von J. G. Valentin Ruths (1825–1905),
Landschaftsmaler (Uhlenhorst, Fährstraße 23)
Bürgermeister Bildnis von Carl Friedrich Petersen (1809–1892),
Vorsitzender der Rathauskommission,
mit einem Rathaus-Modell im Arm
Ingenieur Bildnis von Oberingenieur Franz Andreas Meyer (1837–1901)
(mit dem Modell einer Brücke im Arm)
Richter Bildnis von Gerichtspräsident Ernst Friedrich Sieveking (1836–1909)
Gelehrter Bildnis von Justus Brinckmann (1843–1915)
mit Sammlungsobjekten in den Händen
(Der Pokal ist aus der Fassade gebrochen)
Lehrer Bildnis des Geographen Prof. Dr. Georg von Neumayer (1826–1909),
dem Direktor der Deutschen Sternwarte (damals noch am Stintfang)
Pastor
Baumeister Bildnis des Architekten Wilhelm Hauers (1836–1905)
– mit dem Modell der Kirche St. Johannis (Harvestehude) im Arm
Makler Bildnis von Eduard Behrens sen. (1824–1895),
einem Bankier und Kunstsammler

1.2 Bürgerschaft und Senat im Gebäude
Nicht alle Räume des Rathauses sind hier von Interesse. Sondern jene, die für das politische Geschehen auch im Alltag zentral sind.
1.2.1 Saal der Bürgerschaft
Bürgerschaft / Parlament und Senat / Regierung einander gegenüber, die Bürgerschaft im Halbrund, konzentriert auf den Redner, dahinter der Senat etwas erhöht, so dass er sehen und gesehen werden kann. Wirklich anders würde man heute nirgends die Sitzordnung eines Parlaments einrichten. Da scheint es eine klassische Form zu geben.
Für die Zuschauer ist nicht viel Platz. Sie sitzen in Balkon in den Wänden. Vermutung: Als man das Haus gebaut hat, hatten die meisten Leute zu arbeiten und gar keine Zeit, ins Parlament zu gehen, um zuzuschauen. Die Zuschauerplätze reichen für interessierte Honoratioren, Geschäftsleute und Zeitungsschreiber. Geführte Schulklassen oder Reisegruppen oder aus den Wahlkreisen gab es nicht. – Es reichte aus.
Sollen die Schüler*innen an einer Bürgerschaftssitzung teilnehmen? Die vierte Lesung zur Schornsteinfegergebührenordnung für holzbrennende Kamine, sollte es so etwas geben, könnte ermüdend wirken. Schlafende Schüler*innen auf den Zuschauerbänken machen keinen guten Eindruck, den machen sie noch nicht mal für sich selbst. – Auch große Grundsatzdebatten zwischen Regierung und Opposition können den unangenehmen Eindruck hinterlassen, dass Politiker halt viel reden und wenig tun.

Was machen eigentlich Parlamentarier den ganzen Tag? Irgendwo gibt es einen Film über den Tagesablauf eines brandenburgischen CDU-Abgeordneten, der sehr aufschlussreich sein soll. – Ich habe ihn nicht gesehen.

Die Holzdekoration des Bürgerschaftssaals wirkt abgenutzt und langweilig, einschläfernd, aus der Zeit gefallen. Sie hat doch sicher auch ihre Bilder, ihre Reliefs, die gesehen und verstanden sein wollen.

1.2.2 Räume der Fraktionen und der Ausschüsse
Ich kenne nur zwei dieser Räume: Den Kaisersaal als Fraktionsraum der SPD und einen Raum für Ausschüsse (beim Eingang zum Bürgerschaftssaal nach rechts und dann nach links, ganz hinten links), in dem ich drei Mal gewesen bin. All diese Räume könnte so auch in einem Museum stehen oder für den Besichtigungsdurchgang in einem Schloss. – Was macht man didaktisch-methodisch mit ihnen?

1.2.3 Senatsraum?
Das goldene Eingangstor, mit dem sich dieser Raum vom Eingang für den Bürgerschaftspöbel abhebt. – Es soll sich über diesem Raum kein weiteres Zimmer befinden, der Senat tagt unmittelbar zum Himmel / zu Gott, den nur dem ist er letzlich verantwortlich.
Passt nicht zum gegenwärtigen Verständnis des Senats als Regierungsorgan einer parlamentarischen Demokratie.

Wie stehen eigentlich im Protokoll der Hansestadt der Erste Bürgermeister und die Präsidentin der Bürgerschaft zu einander? – Im Bund steht der Parlamentspräsident vor / über dem Regierungschef.

1.2.4 Bürgermeisterzimmer
Keine Ahnung

2 Verfassungen der Freien und Hansestadt Hamburg

2.1 Verfassung Hamburg 1879
Nach der Reichsgründung von 1871 war eine neue Verfassung notwendig, die das Verhältnis von Reich und Stadt klärte7. Es mussten die Zuständigkeiten bei der (konkurrierenden?) Gesetzgebung geklärt werden und für die Hafenstadt wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen getroffen werden.
Der Text8
Artikel 6
Die höchste Staatsgewalt steht dem Senate und der Bürgerschaft gemeinschaftlich zu.
Die gesetzgebende Gewalt wird von Senat und Bürgerschaft,
die vollziehende vom Senat,
die richterliche von den Gerichten
ausgeübt.
Artikel 7
Der Senat besteht aus achtzehn Mitgliedern, nämlich aus neun, welche die Rechts- oder Cameralwissenschaften studirt haben, und aus neun sonstigen Mitgliedern, von welchen Letzteren mindestens sieben dem Kaufmannsstande angehören müssen.
Artikel 8
Wählbar zum Senatsmitglieder ist, jedoch unter Berücksichtigung des Artikels 7, jeder zur Bürgerschaft wählbare Bürger. …
Artikel 9
Die Wahl der Senatsmitglieder geschieht durch die Bürgerschaft aus einem Wahlaufsatze von zwei Personen.
Zur Herbeiführung dieses Aufsatzes werden vom Senat vier seiner Mitglieder und von der Bürgerschaft vier ihrer Mitglieder mit relativer Stimmenmehrheit zu Vertrauensmännern erwählt und demnächst auf Verschwiegenheit beeidigt. …
Artikel 10
Die Mitglieder des Senats bekleiden ihr Amt lebenslänglich …
Artikel 19
Der Senat, als Inhaber der vollziehenden Gewalt, ist die oberste Verwaltungsbehörde; er übt die Aufsicht aus über sämmtliche Zweige der Verwaltung. Auch steht ihm die Oberaufsicht zu über sämmtliche Justizbehörden.
Artikel 20
Der Senat hat die gesetzliche Ordnung aufrecht zu erhalten, und die Sicherheit des Staates zu wahren.
Artikel 28
Die Bürgerschaft besteht aus ein Hundert und sechzig Mitgliedern.
Artikel 29
Von diesen werden Achtzig durch allgemeine direkte Wahlen mit geheimer Stimmabgabe gewählt. Zu der Theilnahme an dieser Wahl sind alle Bürger berufen. Das Nähere und die Art der Wahl bestimmt das Wahlgesetz.
Artikel 30
Die übrigen 80 Mitglieder bestehen:

  1. aus vierzig Abgeordneten, welche in geheimer Abstimmung von denjenigen Bürgern, welche Eigenthümer von innerhalb der Stadt, Vorstadt, Vororte belegenen Grundstücken sind, gewählt werden. Das Nähere bestimmt das Wahlgesetz.
  2. aus vierzig Abgeordneten, welche durch direkte Wahl mit geheimer Stimmabgabe von denjenigen Bürgern erwählt werden, welche Richter, Handelsrichter, Mitglieder der Vormundschaftsbehörde, bürgerliche Mitglieder der Verwaltungsbehörden, der Handels- oder Gewerbe-Kammer sind oder gewesen sind. Das Nähere bestimmt das Wahlgesetz.

Artikel 36 Besoldete öffentliche Angestellte, deren amtliche oder dienstliche Functionen ihren ausschließlichen Geschäftsberuf bilden, sind zur Bürgerschaft nicht wählbar. Ausgenommen von dieser Bestimmung sind die rechtsgelehrten Richter, die Geistlichen aller Confessionen und die Professoren des Gymnasiums, wenn sie den Erfordernissen des Artikels 32 genügen. Doch haben Geistliche und die Professoren des Gymnasiums das Recht, die Wahl abzulehnen.

2.2 Aktuelle Verfassung Hamburg
Der Text9:
Die Bürgerschaft
Artikel 6
(1) Die Bürgerschaft ist das Landesparlament.
(2) Die Bürgerschaft besteht aus mindestens 120 Abgeordneten, die in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt werden. Wahlvorschläge, nach deren Ergebnis sich die Sitzanteile in der Bürgerschaft bestimmen, werden nur berücksichtigt, wenn sie mindestens fünf vom Hundert der insgesamt auf solche Wahlvorschläge abgegebenen gültigen Stimmen erhalten haben.
Artikel 24
(1) Die Opposition ist ein wesentlicher Bestandteil der parlamentarischen Demokratie.
(2) 1 Sie hat die ständige Aufgabe, die Kritik am Regierungsprogramm im Grundsatz und im Einzelfall öffentlich zu vertreten. 2 Sie ist die politische Alternative zur Regierungsmehrheit.
Der Senat Artikel 33 (1) Die Erste Bürgermeisterin (Präsidentin des Senats) oder der Erste Bürgermeister (Präsident des Senats) und die Senatorinnen und Senatoren bilden den Senat.
(2) 1 Der Senat ist die Landesregierung. 2 Er führt und beaufsichtigt die Verwaltung.
(3) Das Gesetz bestimmt die Höchstzahl der Senatsmitglieder.
Artikel 34
(1) Die Bürgerschaft wählt die Erste Bürgermeisterin oder den Ersten Bürgermeister mit der Mehrheit ihrer gesetzlichen Mitgliederzahl.
(2) 1 Die Erste Bürgermeisterin oder der Erste Bürgermeister beruft und entlässt die Stellvertreterin (Zweite Bürgermeisterin) oder den Stellvertreter (Zweiter Bürgermeister) und die übrigen Senatorinnen und Senatoren. 2 Die Erste Bürgermeisterin oder der Erste Bürgermeister beantragt die gemeinsame Bestätigung durch die Bürgerschaft; bei der späteren Berufung von Senatorinnen und Senatoren kann sie oder er auch deren gesonderte Bestätigung beantragen.
(3) 1 Mitglied des Senats kann werden, wer zur Bürgerschaft wählbar ist.

3 Rathaus-Gebäude und Verfassung

3.1 Von 1879

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Abbildung 52: Vorderansicht als gebaute Verfassung

Diese Front des Rathauses ist eine Übersetzung der Verfassung von 1879 im Kontext der politischen Situation nach der (Neu-)Gründung des Kaiserreichs von 1879.
Bürgerschaft und Senat führen die Stadt gleichberechtigt. Zwar wird der Senat irgendwie aus der Bürgerschaft hervorgebracht, aber danach ist er / sind die einzelnen Senatoren von ihm unabhängig. Jede der beiden Einrichtungen bekommt deshalb eine ganze Hälfte des Hauses. Die Stadt wird von den Kaisern des alten deutschen Reiches im neuen deutschen Kaiserreich beschützt, damit die Bürger der Stadt die Freiheit der Stadt immer wieder erwerben.
Man könnte diese Rathausfront geradezu als Schaubild für das politische System Hamburgs im zweiten Kaiserreich verwenden.

3.2 Aktuell?
Meist stellt man das politische System als Dreieck dar: Unten das gemeine Volk – oben der Pharao. Im Internet habe ich einmal eine britische Grafik gefunden: Die Regierung ist im Unterhaus eingebettet, sie ist eigentlich nur der führende Ausschuss des Unterhauses. Das Unterhaus umfasst also alles: Seine Mitglieder, die Regierungsmehrheit, die Regierung und die Opposition. Das politische System kann also nur als ausdifferenziertes Rechteck dargestellt werden. – Na, die Regierung soll aber etwas mehr Überblick haben …

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Abbildung 53: Bürgerschaft und Senat jetzt

Senat und Bürgerschaft Hamburgs sind in das alte Gebäude eingezogen, besser gesagt: Sie sind nie ausgezogen. Ihre Beziehungen untereinander haben sich zwar verändert, aber die Räume nicht, in denen sie sich aufhalten. Das Rathaus ist von innen nicht modernisiert worden, mag sein, dass man übertreibt, dass sich das jetzige Rathaus von dem vor 125 Jahren nur durch Elektrizität und Heizung unterscheidet. Die Innenausstattung hat sich nicht geändert, es gibt immer noch den Kaisersaal, die SPD-Fraktion tagt in der Gegenwart des Kartätschenprinzens. – Und doch sieht es so aus, als ob es gelungen wäre, den neuen Geist der Demokratie im alten Gebäude der ständischen Politik ein festes Zuhause zu geben.
Da stört was10. Kann das auch die Schüler*innen stören? Sollte es sie stören? Könnte man sagen, dass sie die parlamentarische Demokratie verstanden haben, wenn sie damit kein Problem haben? Man dürfte kaum übertreiben, wenn man sagt, dass die parlamentarische Demokratie die avancierteste Form der politischen Institutionen – das avancierteste Ensemble – ist, die die Weltgeschichte bisher hervor gebracht hat, auch wenn es immer noch viel verbessern gibt.
(Wie funktioniert eigentlich „parlamentarische Demokratie“? Unsere Parlamente sind „Arbeitsparlamente“ – im Unterschied zum britischen Unterhaus. Gibt es eigentlich eine „Parlamentspädagogik“, die genauer ist politische Bildung an sich und überhaupt und Demokratieerziehung, sondern sich genau mit dem parlamentarischen Demokratie beschäftigt?)
Und doch: Fördert es das Verständnis der modernen Politik, wenn sie in alten Gehäusen stattfindet? Ist das Gebäude – letztlich – gleichgültig? Immerhin haben andere Bundesländer an ihren Landtagsgebäuden gearbeitet: Schleswig-Holstein hat in Kiel einen großen Glaskasten vor einen alten Marinebau gesetzt; in Mecklenburg-Vorpommern wurde im Schweriner Schloss ein neuer Plenarsaal gebaut, den es so – vermutlich – vorher in dem Märchenbau nicht gegeben hat; in Berlin wurde das im Krieg schwer beschädigte Preußische Abgeordnetenhaus neu errichtet, die Fassade wurde rekonstruiert, im Inneren dagegen wurde alles vollständig anders erneuert; so ähnlich wurde mit dem Reichstag verfahren, in den der Bundestag einzog. Die Regierungen haben jetzt alle ihre eigenen Gebäude, man ist nicht mehr unter dem selben Dach.
Das Rathaus in Hamburg ist nicht nur der einzige nicht umgebaut-erneuerte Parlaments- und Regierungsbau in Deutschland, es ist obendrein allein der gemeinsame Sitz von Parlament und Regierung.
Hm, man muss ja nicht alles nachmachen, was andere machen …
Noch einmal -> Und doch: Politik selbst ist ein Bildungserlebnis für die politische Bevölkerung. Man geht ja auch nicht mit Frack, Halskrause und Krinoline auf den Jungfernstieg, um zeigen, wer man ist, im Unterschied zu all den anderen, die auch noch rumlaufen.
Ein Umbau? Ein Anbau? Ein Neubau?
Problem könnte sein: Haben die Schüler*innen Phantasie für das Bauen? Mit Lego baut man in einem sehr konventionellen Stil, da lernt man sowas noch nicht mal als Aufgabe, als Problem.

Ein Umbau allein des jetzigen Gebäudes wäre riskant: Das Rathaus, wie es jetzt seit 125 Jahren steht, ist ein Gesamtkunstwerk bis in die Türzargen. Man kann sich noch nicht mal vorstellen, wie der Kaisersaal ausgeräumt und zu einem modernen Sitzungsraum mit Mobiliar aus dem Büromöbelhandel umgebaut wird. Wände einreißen, damit neue Räume geschaffen werden? Einige Räume zu Museumszwecken in ihrem gegenwärtigen Zustand belassen? – Kommt alles nicht in Frage.

Ein erweiternder Anbau wäre möglich. Der Plenarsaal wird auf den Rathausmarkt gesetzt, dieser Platz liegt eh meist leer rum. So wird die Verbindung zum Bürger deutlicher: Das Parlament „Bürgerschaft“ tagt immer so, dass man mal schnell zusehen kann. Und mit moderner Elektronik können alle Zuschauer auf dem Marktplatz verfolgen, was im Plenum geschieht. Die Arbeitsräume der Abgeordneten kommen in die bisherige Börse, deren wirtschaftliche Bedeutung sinkt so sehr, dass man sie in ein anderes frei stehendes Gebäude in der Innenstadt verlegen kann.Oder die Regierung kommt in die Ex-Börse. Der bisherige Plenarsaal und der Festsaal werden kulturell umgewidmet.
Kann so recht auch nicht befriedigen. Unter Daniel Liebeskind11 wird es nicht gehen. – Wenn unsereins keinen Anbau mal so eben aus der Hand entwerfen kann, wie sollten das die Schüler*innen können. Man müsste ihnen Beispiele zeigen. – Setzt das eine Kooperation mit dem Kunstunterricht voraus? Oder sollte man sich als Politiklehrer nicht auch ästhetisch etwas schlau machen?

Ein Neubau, der mit einem Abriss einher ginge, ist nur dann vorstellbar, wenn der neu bauende Architekt ein neues Haus schaffen würde, dass das alte sofort vergessen lässt. Das ist nicht zu erwarten.
Wie aber stünde es mit einem Neubau, der den alten Bau integriert? Wie schon gesagt,der Rathausmarkt ist eh zu groß. Ein Neubau könnte zwischen Bergstrasse – da steht nichts Bemerkenswertes herum – und der Nordseite des Rathausmarktes erstellt werden. Dieser Neubau müsste zuallerst Parlamentsgebäude sein, Vorbilder dazu gibt es. Der Senat kommt in die – überflüssige – Börse, das alte Rathaus dazwischen bekommt vor allem repräsentative Funktion, aber nicht nur, es stellt auch Arbeitsräume zur Verfügung.

Man kann aber auch sagen: Bleibt so, stört nicht, ansonsten werden in der Nachbarschaft des Rathauses Räume für die Abgeordneten angemietet, die Senatoren haben sowieso die Gebäude ihrer Behörden zusätzlich, zu denen sie hin und her fahren.
4 Aktfolge

  1. Begegnung mit der Rathausfassade – Begegnung mit den Kaisern: Entschlüsselung der Fassade mit der Verfassung und der politischen Situation nach 1871: Die Fassade als Ausdruck der Verfassung und als politisches Statement.
  2. Die aktuelle Verfassung
    • Wie funktioniert eine parlamentarische Demokratie?
    • Passt das alte Gebäude zur modernen Politik?
  3. Ein neuer Entwurf des Gebäudes nötig und wenn ja, wie?

Oder:

  1. Begegnung mit der Rathausfassade – Die aktuelle HH-Verfassung – Ein Widerspruch?
  2. Begegnung mit den Kaisern: Entschlüsselung der Fassade mit der Verfassung und der politischen Situation nach 1871: Die Fassade als Ausdruck der Verfassung und als politisches Statement.
  3. Passt das alte Gebäude zur modernen Politik? – Ein neuer Entwurf des Gebäudes nötig und wenn ja, wie?

5 ToDo-ListBislang nur Vermutungen, vielleicht ist ja alles falsch, ganz sicher das eine oder andere. Man muss mehr wissen, denn nur, wenn die fachlichen Grundlage stimmt, können sinnvolle didaktisch-methodische Entscheidungen getroffen werden.

  1. Mehr Kenntnisse zum Bau, wie er da steht. Eigentlich zu jedem Raum und zu jeder Wanddekoration.
  2. Mehr Kenntnisse zur Entstehung des Baus, um das Gebäude als politisches Programm seiner Entstehungszeit lesen zu können. Damalige Verfassung, damaliges Regierungssystem, Hamburg im neuen Kaiserreich. – Überhaupt Kenntnisse zum Parlamentsbau im 19. Jahrhundert: Das Wiener Nationalratgebäude, mein Lieblingsbau, so griechisch, dass Kaiser Franz Joseph es mied.
  3. Mehr Kenntnisse zum parlamentarischen Regierungssystem. – Das ist nun nicht gerade Zentrum politischer Unterrichtseinheiten in der Schule, aus Angst vor den Tücken der Institutionenkunde kommt man gar nicht so weit. Ich kann meine Aristoteles-Diss leider nicht ausnehmen: Der Ausbau und die Funktionsweise der parlamentarischen Demokratie als „unser“ politischen Systems wird dort nicht mehr thematisiert. Dabei müssten Folgetexte zur Diss genau an dieser Stelle weiter machen, wenn sie zur gegenwärtigen Politikpraxis führen wollen.
  4. Genauer den Widerspruch zwischen damaligem Gebäudeprogramm und heutiger Verfassungslage bestimmen.
  5. Mehr Kenntnisse zum gegenwärtigen Bau von Parlamenten: Umbau, Anbau, Neubau.
  6. Erfahrungen gewinnen über Schüler*innen und Medien: Lehrkunst möchte Realbegegnungen so real wie möglich. Aber die Kaiser stehen zu weit oben und Parlamentssitzungen reißen keinen Schüler vom Hocker. Wie steht es mit Fotos, mit Filmen? Mit Materialien, die die Schüler selbst erzeugen? Vllt eine Fotoreportage über die Fassade, über die Innenausstattung?
  7. Wofür steht das Exempel „Rathaus HH“? Wohin soll es ausstrahlen? In den Parlamentarismus? In die Geschichte der Baukunst? Beides?
  8. Welches Detail steht am Rathaus HH wofür? Man kann sich ja nicht alles mit den Schüler*innen ansehen. Fassade, Bürgerschafts- und Senatsräume. Auch den kuriosen gotischen Marktplatz im Inneren ansehen?

Fußnoten: 1 Berlin, die alte Hauptstadt Preußens, ist ein anderer Fall. Berlin imitiert die Hansestädte, ist aber keine.
2 Aus eigener Erfahrung, auch wenn es lang her ist: Die Ortsausschüsse konnten der Verwaltung Ratschläge geben, die diese beachten konnten oder auch nicht. Sie hatten Null eigene Rechtssetzungskompetenz. Ein sehr unattraktives System, das kaum gute Leute, die was bewirken wollen, anzieht.
3 Karl d Gr soll Hamburg mit gegründet haben und Barbarossa soll einen Schutzbrief ausgestellt haben. Alles falsch.
4 In Wien sind sowohl das Nationalrats-/Parlamentsgebäude als auch das Rathaus, ungefähr zur selben Zeit gebaut, Architektur, die Kaiser Franz Joseph sehr zu recht als gegen die Monarchie, gegen ihn selbst gerichtet verstand.
5 https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Rathaus#Die_Kaiser
6 https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Rathaus#Die_b%C3%BCrgerlichen_Berufe
7 Haben die anderen Mitgliedsstaaten des neuen Reiches sich auch neue Verfassungen gegeben?
8 http://www.verfassungen.de/hh/verf79.htm – Kann die Verfassung von 1921 http://www.verfassungen.de/hh/verf21.htm übersprungen werden?
9 http://www.verfassungen.de/hh/index.htm, https://www.landesrecht-hamburg.de/bsha/document/jlr-VerfHArahmen, https://www.hamburg.de/contentblob/14362066/f1eabc94a955ecff63eb2ff616879f3c/data/hamburger-verfassung-2020.pdf
10 Im Rathaus-Jargon wurden einige Erste Bürgermeister mit dem Königstitel belegt: Es regierten König Henning (Voscherau), König Ole (Beust) und König Olaf (Scholz). Die Könige Ole und Olaf werden zu einem guten Teil wegen ihrer Fehlentscheidungen in Erinnerung bleiben. Beeinträchtigt das Haus doch schwächere Seelen beim Regieren, so dass sie leichten Wirklichkeitsverlust nicht mehr mitbekommen?
11 https://www.jmberlin.de/ueber-das-jmb, https://www.lueneburg.info/libeskind-bau-leuphana
Datum: \today, \uhrii
Autor: Dr. Horst Leps
Created: 2022-11-15 Tue 20:58
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